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20 Jahre Mysterienschule

Vor 20 Jahren wurde durch OM C. Parkin der Grundstein für die heutige Mysterienschule gelegt. Damals noch Enneagramm-Ausbildung mit ersten Schülern, reifte in den Jahren eine Innere Schule mit mehreren „Klassen“, die mit der Eröffnung von Gut Saunstorf - Ort der Stille ihren festen Ort gefunden hat. Eine Zeit der Vervollständigung, Vertiefung und Verfeinerung, wie es auch durch die Beiträge einiger Schüler „der ersten Stunde“ berichtet wird.


Eine ganz persönliche Schau von Verena Poppe

VerenaJa, ich bin OM tatsächlich bereits 1994, vor 21 Jahren, zum ersten Mal begegnet, und im Satsang habe ich ihm die Frage gestellt: „Mit wem spreche ich?“ Das war ein knappes Viertel Jahr nach dem Tod unseres drei Wochen alten Sohnes und „meine Welt“ stand auf dem Kopf. Heute bin ich „meinem kleinen Buddha“ unendlich dankbar, dass er mir sein kurzes Leben geschenkt hat. Er war der Mittler um – nun, um Buddha zu begegnen (in OM) und ihn auch „sehen“ zu können, nicht an ihm vorbei zu gehen mit dem Gedanken: Was ist das denn für einer? Nach der ersten Begegnung im Satsang bin ich OM nach draußen gefolgt und habe ihn mir angesehen und mich gefragt: Und das soll nun ein weiser, ein erleuchteter Mann sein? – Anfang dreißig, Ohrring, gepierct, Lederarmband und Lederjacke, so eine komische indische Kappe auf dem Kopf und er rauchte. Das war das, was ich sah. Und etwa eine halbe Stunde zuvor hatte ich mit der Antwort auf meine Frage – am geöffneten Fenster zur Unendlichkeit gestanden.

In den ersten Jahren gab es immer wieder solche „Bonbons“ für die spirituell Suchende: Begegnungen mit der Unendlichkeit, tiefe Stille in der Meditation, Synchronizitäten, Momente von großer Dankbarkeit und Liebe, das Gefühl von Einssein mit mir und der Welt. Dafür lohnte sich doch der Kampf, die Anstrengung, die Bemühung, eine gute Schülerin zu sein.

20 Jahre Mysterienschule

1995 startete OM mit einer ersten Gruppe eine einjährige Ausbildung „Das Enneagramm der Charakterfixierungen“. Ab dem Jahr 1996 nahm ich, zusammen mit meinem Mann in der zweiten Gruppe dieses Angebot wahr, eine Kombination von Ausbildung und Selbsterforschung in Hamburg und verschiedenen Seminarhäusern in Norddeutschland. Wir wohnten damals noch an der Bergstraße, zwischen Darmstadt und Heidelberg. Ich weiß noch, dass mir gar nicht so wichtig war, was OM anbot, ich wollte einfach mit ihm sein, von ihm lernen – etwas zog mich in seine Nähe. Ich organisierte dann auch Veranstaltungen mit ihm im Heidelberger Raum.

Wie war denn eigentlich diese Ausbildung? Oder die Selbsterforschung? – „Blut, Schweiß und Tränen“, ich benutze OMs Worte. Für mich war es manchmal ganz schön hart. Oder war ich hart? Heute empfinde ich die Gruppen bzw. die Teilnehmer so – als gäbe es mehr Bereitschaft. Oder liegt auch das „im Auge der Betrachterin“? Hat OM sich verändert? Hat die Lehre sich verändert? Oder das Buddhafeld? Ich selbst? – Ich weiß es nicht. Oder doch, im Herzen weiß ich es: Es geschah eine Entwicklung, an der ich teilhatte.

20 Jahre Mysterienschule

In der „Schule“ hat sich manches gewandelt, manches ist geblieben: Wir saßen (damals) auch schon im Kreis, mit einer Mitte aus Blumenstrauß und Kerzen. Zu Beginn waren wir 12, zwischendurch 16 und zum Ende 13 Schüler und Schülerinnen. Es gab die schwarze Augenbinde, Einzel-, Partner- und Kleingruppenarbeit, dieses und jenes, das ich hier, teils auch schmunzelnd, nicht benennen kann, da es eine Schweigevereinbarung gab und gibt. Die Themen der „Blöcke“ sind heute differenzierter ausgearbeitet. Einige sind ganz neu dazugekommen. Insgesamt hat sich die Innere Arbeit verfeinert und erweitert. Körper- und Energiearbeit waren bereits von Anfang an Bestandteile, haben heute einen fester umrissenen Platz bei den Zusammenkünften. Und ergänzend zum Grundzyklus der Mysterienschule gibt es seit einigen Jahren Studientreffen zur Philosophia perennis. Alle drei Gehirne (Intelligenz des Erwachens, OM C. Parkin) werden genährt und unterstützt in ihrer Entwicklung. Wir haben 1999 nach (zuerst einem, dann zwei) schließlich drei Jahren der „Ausbildung“, eine Abschlussarbeit geschrieben, deren Titel, wie mehrere (mit einem lachenden und einem weinenden Auge) festgestellt haben, für uns auch heute noch aktuell sind.

„Geblieben“ sind auch – aus der Gruppe, die 1999 eine Enneagramm-Ausbildung abschloss und die dann 2000 bis 2002 in die damalige Mysterienschulgruppe wieder einstiegen: Sieben Menschen, die zum inneren Kreis gehören und von denen vier hier in Saunstorf leben.

Heute, vielleicht noch mehr als vor 20 Jahren, berührt mich die Hingabe OMs, die Unermüdlichkeit seiner Forschungsarbeit um den menschlichen Geist, die Kreativität des Seins, die sich durch ihn zeigt, die Geduld und Gelassenheit, mit der er immer wieder Menschen mit ihren Geistergeschichten dort abholt, wo sie eben sind und eine Möglichkeit findet, ihnen einen Weg, den Befreiungsweg zu weisen. Ob sie ihn dann gehen, das muss auch er dem Leben überlassen. Der Geist in mir spricht auch andere Worte. Das will ich gar nicht leugnen. Inzwischen kann ich allerdings erkennen, wer da spricht.

Für mich ist die Mysterienschule ein Synonym für OM. Zum Glück weiß ich mittlerweile ebenso die Menschen der Sangha, der Gemeinschaft der Schüler um OM, zu schätzen, die Wegbegleiter und auch Menschen, „unbedarfte Mitbürger“ (als solche würde OM sie bezeichnen), denen ich im „Alltag“ begegne, dienen als Spiegel. Einerseits bin ich also völlig auf mich selbst zurückgeworfen. Anderseits: Ich muss es nicht allein „schaffen“. Ich bin allein – in Gemeinschaft. Eine der vielen Paradoxien eines inneren Weges und eine der Früchte von 20 Jahren Innerer Arbeit.

Die Mysterienschule wird mehr und mehr zu einer inneren Schule, zu einer Schule in mir. Oder anders herum: Das Leben wird zur Mysterienschule.

20 Jahre Mysterienschule


Die Früchte Innerer Arbeit von Dr. Burkhardt Müller

BurkhardtZu einem Vortrag traf ich OM 1995 zum ersten Mal. Ich verstand gar nichts, fand den Typen unerträglich und die begeisterte Zuhörerschaft mit ihrem Spiri-Gehabe  zum Schreien. Ich wäre wohl nie wieder zu OM gegangen, ja, wenn ich nicht  so unsäglich an mir gelitten hätte. Meine innere Kapitulation war die reale Erfahrung von tiefem Frieden im Zusammensein mit OM, obwohl vorher und hinterher der Orkan des Leidens in mir wieder wütete. Irgendetwas in mir sagte, dass ich es ohne Hilfe nicht schaffen werde, mein Leiden und mein Wesen zu erkennen. Als ich 1996 die zweite Ausbildungsgruppe von OM C. Parkin als Teilnehmer begann, hatte ich keinerlei  Vorstellungen, was mich dort erwartete. In dieser dreijährigen Ausbildungsgruppe war noch eine Enneagramm  - Ausbildung integriert. Wir waren damals ca. 12 Schüler von OM und trafen uns für längere Zusammenkünfte zu Themen der Inneren Arbeit überwiegend in Schlagsülsdorf und für kürzere Treffen an Wochenenden in der Schlüterstrasse in Hamburg. Diese Jahre waren für mich eine Zeit der guten und schlechten Erfahrungen und der beginnenden Einsicht, mit welchem Gegner ich es da eigentlich zu tun habe. Wie schwer fiel es mir, still zu sitzen und die Aufmerksamkeit nach innen zu richten. Ich empfand Meditation als ein hartes Stück Arbeit und OM rügte häufig meine mangelnde Disziplin – eine Folge der Arroganz. In gewisser Weise war ich damals unreif und häufig überfordert. Ich bekam die losen Enden nicht zu fassen und war daher oft Spielball meines zweifelnden und nach Außen gerichteten Geistes. Mit unendlicher Geduld und Liebe führte mich OM immer wieder an die Angst und es dauerte viele Jahre, bis reale Angst erstmalig für mich wahrnehmbar war.

20 Jahre Mysterienschule

Die Menschen, die heutzutage in die Mysterienschule eintreten, sind ernsthafter und verinnerlichter. Man spürt, dass Innere Arbeit schon tief erfahren und vorbereitende Themen bereits bearbeitet wurden. Diese Vorbereitung ist aus meiner heutigen Sicht sehr wichtig, damit wesentliche Themen der Mysterienschule überhaupt das Bewusstsein erreichen und durchdringen können.

Die Schule hat sich in diesen 20 Jahren stark gewandelt. Im Außen hat sie einen würdigen Rahmen und einen festen Ort bekommen. Von Saunstorf strahlt die stille Lehre fokussiert, kraftvoll und unaufhaltsam in die Welt. Die Klassenstärke der Mysterienschule stellt alle drei Jahre neue Rekorde auf. In der inhaltlichen Betrachtung der Mysterienschule sehe ich inzwischen eine natürliche Ordnung und Hierarchie:  Die Arbeit hat sich thematisch derart verfeinert und präzisiert, dass Selbsterforschung immer wissenschaftlicher wird und die vielschichtigen kollektiven Identifikationen dieses Geistes systematisch Schicht für Schicht frei legt. Ich stehe immer wieder fassungslos und dankbar vor den Früchten von OM´s  Erkenntnissen, die sich aus einem unendlich tiefem Wissen speisen, und deren reale Integration in die Mysterienschule.

Der Wunsch nach Erkenntnis und die damit verbundene Erforschung meiner selbst sind nicht nur auf den Besuch der Mysterienschule begrenzt; sondern ich erlebe mit Freude, Neugier und Unsicherheit auch die aktive Mitarbeit in der Stiftung Gut Saunstorf als eigenverantwortliche Fortführung dieses Wunsches - eine Frucht der Mysterienschule.

Viele Menschen habe ich kommen und gehen sehen. Bei einigen Abschieden war es sehr schmerzhaft für mich. Ich habe gelernt, dass man nicht wissen kann, wo ein Mensch steht, wo ich stehe. Jedoch weiß ich, dass es keinen anderen Weg mehr gibt – die verheißungsvollen Fluchtwege sind versperrt. Mehr als die Hälfte  der Menschen meiner Klasse sind nach 20 Jahren immer noch im inneren Kreis. Das freut mich sehr, denn die Treue zum Selbst braucht seine Zeit, viel Geduld und Liebe. 


20 Jahre Mysterienschule

Ein Glück und Geschenk von Christiane Petersen

ChristianeMeine „Klasse“ begann 1997, und wenn ich auf die alten Klassenfotos schaue, werden schnell die Erinnerungen an die gemeinsame Schulzeit wach, an viele Tränen, viel innere Arbeiten, viel befreites Lachen. Die innere Verbundenheit drückt sich auch auf den Fotos aus: Hedwig, die Malerin, Albrecht, der Arzt, Hans, der Schreiner…mit jedem Einzelnen verbindet mich ein Stück des Weges, der mich an den Ort geführt hat, an dem ich jetzt bin – innerlich wie äußerlich. Für mich ist es ein Glück und Geschenk, dass ich bis heute drangeblieben bin und sehen kann, dass es in der Schule wirklich um meine innerste Herzensangelegenheit geht – dass es diese innere Herzensangelegenheit wirklich gibt, in mir. Diese Dimension des Lebensradius ist mir durch die Schule zugänglich geworden, besonders auch durch die Arbeit mit dem Enneagramm. Früher hieß das, was heute die Mysterienschule ist, auch direkt Enneagramm-Ausbildung und lief über drei Jahre. Damals war die Lehre des Enneagramms mehr im Fokus und wurde durch die innere Arbeit erforscht, jetzt dient sie als eines der wichtigsten Werkzeuge der inneren Erforschung, ist aber selbst nicht der Lehrinhalt. Heute bin ich in der 13er Klasse. Ein Neubeginn, weil ich wissen will, was die Wahrheit über mich ist, und es Zeit wird erwachsen zu werden. Die innere Arbeit ist im Laufe der Jahre immer feiner und differenzierter geworden, die innere Berührung mit den Weggefährten wird inniger, wärmer. Alles wächst mit. Der Rückblick zeigt mir auch meine eigene Entwicklung, und dass es die Zeit braucht, die es eben braucht dafür. 

 

August 2016
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