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Eine Reise für die Seele – Ein Jahr in den USA

Katrin Fuchs lebt in der Gemeinschaft in Saunstorf und ist die neue Geschäftsführerin der OM-Stiftung Innere Wissenschaft. Vor einem Jahr wurde sie vom Lehrer auf einen Weg ins Unbekannte geschickt. Hier berichtet sie von ihrer äußeren und inneren Reise und den Erfahrungen dieser außergewöhnlichen Zeit.

Eine Reise für die Seele – Ein Jahr in den USA

Die Reise begann ein gutes halbes Jahr, bevor ich abreiste, als OM mir den Auftrag gab, für längere Zeit das Kloster Saunstorf zu verlassen, in dem ich seit acht Jahren lebte. Ich war noch nie wirklich gereist, war nie längere Zeit alleine und habe mich am Ort meiner Herzenswahl so zuhause gefühlt, dass ich mir nichts anderes vorstellen konnte. Ein intensiver Prozess des dagegen Haltens und mich darauf Einlassens begann. Mit dem Einlassen wuchs das Vertrauen und so war ich mit Zittern bereit, als am 4. Oktober das Abenteuer begann und ich nach San Francisco flog.

San Francisco

Der Schock war groß. Ohne Plan, alleine und ganz neu in einer fremden Kultur hat es mir erstmal den Boden unter den Füßen weggezogen. Es wurde sehr klar, dass ich mich im Kloster und in der Gemeinschaft doch sehr eingerichtet hatte und nun anfangen musste, kleine Schritte zu gehen, mich innerlich und äußerlich auf die Situation einzulassen. Die kindlichen Anteile des Geistes bestimmten die erste Zeit und es verlangte wirklich alles von mir, um sie anzunehmen und mich ihnen zu stellen. Die Referenz des Spiegels der Weggefährten fehlte mir sehr und ich machte mich auf den Weg ins äußere Alleinsein und ins Akzeptieren der Planlosigkeit. Wozu bin ich hier? Diese Frage bekam eine Dringlichkeit, die über den Aufenthalt in einem fremden Land hinausging.

Nach und nach begann ich wahrzunehmen, dass es eine innere Führung in Form einer verlässlichen Intuition gibt und ich lernte zu warten – was meinem ungeduldigen Wesen nicht einfach fiel – bis Impulse aus der Tiefe aufstiegen, was als nächstes zu tun sei. Dies geschah in kleinen alltäglichen Dingen genauso wie in inneren Prozessen und in den größeren Entscheidungen, in welche Richtung mein Leben am neuen Ort gehen soll. Das sich vertiefende Vertrauen in die innere Führung hat sich durch das Jahr hindurch als Bogen gezeigt und mir den Weg gewiesen.

Katrin Fuchs

Den größten Teil des Jahres verbrachte ich an verschiedenen Orten in Kalifornien. Neben der sehr ursprünglichen Kraft der verschiedenen Landschaften dieses Staates berührten mich zunehmend die Kontaktfreudigkeit und die Offenheit der Menschen. Ich ließ mich davon leiten und so erschloss sich mir ein unsichtbares Netz, welches mich immer zur richtigen Zeit an den richtigen Ort brachte und mir damit einen tieferen Einblick in die spirituelle Landschaft des Landes gab. Ich besuchte spirituelle Meister und Lehrer, Gemeinschaften, Zentren, Buchläden und arbeitete von unterwegs sowohl mit dem amerikanischen Verlag Gateways zusammen für „Intelligence of Awakening“, die Übersetzung von OMs großem Lehrbuch, wie auch zu einem kleinen Teil weiterhin für advaitaMedia und das Kloster. Dem digitalen Zeitalter sei Dank!

Es machte plötzlich alles Sinn, innerlich und äußerlich, und es stellte sich mehr und mehr ein Fluss ein, der das, was mich zutiefst interessiert, vereinigt: Die Begegnung mit der wahren Lehre und dem wahren Lehrer in verschiedenen Formen und Farben, das Sehen, dass alles aus einer Quelle stammt und dies alles in mir selber zu erfahren.

In der Mitte des Jahres folgte ich dem Impuls, einmal quer durch den Kontinent zu fahren, um das ganze Land zu fühlen. Es wurde schnell klar, dass der „wilde Westen“ offener und bereiter für die Vision eines inneren Lebens ist als die südlich-zentralen und östlichen Teile der USA. Für meine Seele war es noch einmal ein großer Schritt in die Weitung, nicht zuletzt durch die große Herausforderung, so viele Meilen alleine zurückzulegen und durch das fast tägliche Neuland innerlich noch beweglicher zu werden. Der Angst immer wieder von neuem zu begegnen, mit ihr zu bleiben und ihr ins Gesicht zu schauen, förderte ebenso das innere Wachstum, wie es mich immer wieder an neue Grenzen brachte.

Krishnamurti Library

Es ist spannend, in ein anderes geistiges Kollektiv einzutauchen und die Sonnen- und Schattenseiten zu bezeugen. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten lässt der Seele viel Raum, fühlt sich insgesamt einladend und beweglich an und fördert auf natürliche Weise die Entfaltung von Potenzial. Unangenehm berührt hat mich die Beziehungssucht in Form von zwanghafter Kontaktaufnahme und Gesagtes, was nicht wirklich so gemeint ist, eine Form von Schönreden und Verdrehen von Wahrheit zugunsten einer besseren Selbstdarstellung.

Drei Mal wurde mir vom Fluss geschenkt, den Ashram von Lee Lozowick in der Wüste Arizonas zu besuchen. Die Gemeinschaft, der Ort selber und die Präsenz von Lee, der seinen Körper vor nun neun Jahren verlassen hat, haben einen tiefen Abdruck in meinem Herzen hinterlassen. Ich war sehr dankbar für die Gastfreundschaft an einem dieser versteckten heiligen Orte wahrer Lehre und für den Einblick, den mir die Gemeinschaft in ihr Ringen, in ihr Lieben und insbesondere in den Prozess des Erwachsenwerdens als Schüler auf dem inneren Weg gewährt hat. Mehr darüber zu schreiben, sprengt den Rahmen dieses Artikels und so hoffe ich auf eine weitere Gelegenheit.

Palme - Meditation

Nun bin ich seit zwei Wochen wieder zurück in Deutschland und bin sehr glücklich wahrzunehmen, dass die Weite des Herzens mit mir nach Hause gereist ist, auch wenn ich die weiten Ebenen, den Blick auf den Pazifik und das Zigeunerleben schon vermisse. Ich habe das Alleinsein schätzen gelernt, ich fühle eine neue Reife in der Verantwortung für „meine Welt“ und eine große Entspannung, innerlich an dem Platz zu sein, wo ich gerade bin. Das alte Missverständnis, dass „Zuhause“ an einen äußeren Ort gebunden ist, hat sich gelöst. Die Freude, das Leben im Kloster mit dem Lehrer und der Gemeinschaft neu zu entdecken, ist groß.

Willkommen im Herzen.
Danke, OM.

Katrin Fuchs

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