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Meditation im modernen Kloster

Im Nachklang der Konferenz "Weisheit aus der Stille - Mystik als innere Wissenschaft und innerer Weg“, die im April auf Gut Saunstorf stattfand, entstand dieser Artikel von Christel Westermeier. Sie lebt seit vielen Jahren in der Klostergemeinschaft und ist verantwortlich für den Bereich der Meditation im modernen Kloster.

Christel Westermeier

 

 Christel Westermeier - HP Psychotherapie,
 langjährig Meditierende
 und Meditationslehrerin.


 

Seit Jahrtausenden pflegen Menschen in allen Religionen und spirituellen Traditionen an Orten des Rückzugs und der Einkehr die Praxis der inneren Versenkung. Die Suche nach Gott verlangt nach einer radikalen Verinnerlichung, dem Loslassen der Welt und einer klaren Ausrichtung. In der christlichen Mystik entstand der Begriff der Kontemplation, was nichts Geringeres bedeutet als die Schau Gottes, eine Gnade.

Während der Konferenz zum Thema „Weisheit aus der Stille – Mystik als innere Wissenschaft und innerer Weg“ hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, eine Anleitung in Kontemplation in der ignatianischen Tradition durch den Schweizer Jesuiten Dr. Ch. Rutishauser zu bekommen.

Pater Rutishauser
Pater Rutishauser beim Anleiten der Meditation und seinem Vortrag im Kloster 

In drei halbstündigen Übungssequenzen führte der Referent durch bewusste Körper- und Sinneswahrnehmungen sowie Gebetstexte immer mehr nach Innen. Der Raum war erfüllt von tiefer Andacht und Stille. Eine Teilnehmerin zitiert in ihrem Erfahrungsbericht ein Gebet:

„Mein Herr und mein Gott,
nimm mich mir
und gib mich ganz zu eigen dir.“

Die Verbindung zu unseren christlichen Wurzeln, die ja auch in OM´s Lehre integriert ist, war spürbar, auch im vorangegangenen Vortrag zum Thema „Unterscheidung der Geister – Wegweiser auf dem inneren Weg.“ „In mir war Staunen über die immerwährende Gültigkeit von Weisheitslehre und es freute mich, die Übereinstimmungen in seinen z.T. auch persönlichen Berichten und in der durch OM kommende Lehre zu hören“ (eine Teilnehmerin).

Die Gnade der Kontemplation oder der Meditation als Erfahrung tiefer Stille, der Schau Gottes, der allumfassenden Verbundenheit, ist das Ziel aller Sucher auf dem inneren Weg. Und wir wissen, wir können es nicht machen, es liegt nicht in unserer Macht. Hier beginnt der paradoxe Weg: in dem Wissen, dass wir nichts tun können, tun wir alles. Wir beschreiten einen Übungsweg und dieser verlangt nach einer täglichen Praxis. Neben der Inneren Arbeit gehört zum Leben auf Gut Saunstorf die Praxis der Meditation. Zweimal täglich sind alle Bewohner und Besucher eingeladen, 30 Minuten in Stille zu sitzen, sich zu er-innern.

Wie OM immer wieder betont, beginnt die Praxis der Meditation erst einmal mit Konzentration. Unser unruhiger, springender Geist will gezügelt werden. Wir üben uns in der Fokussierung der Wahrnehmung z.B. auf den Atem oder ein Objekt. Die äußere, aufrechte, offene und entspannte Haltung unterstützt und ist gleichzeitig ein Ausdruck der inneren Haltung von entspannter Wachsamkeit. Es gibt nichts zu tun und nichts zu erreichen. Der innere Zeuge, das Gewahrsein, bezeugt alle kommenden und gehenden inneren sowie äußeren Phänomene, sei es der Rasenmäher oder ein verführerischer Gedanke. All das kann gesehen werden, ohne einzusteigen, sich zu verwickeln und darin finden wir letztlich Freiheit. Was ist es, das nie kommt und nie geht?

Und natürlich machen wir immer wieder die Erfahrung, dass wir uns verwickeln, uns identifizieren mit unserer Geschichte, mit dem, was wir „mein Leben“ nennen. Wir sind im Kampf, wollen etwas nicht haben und halten fest. Dann sind wir an der Oberfläche gefangen, sind abwesend, d.h. wir sind uns unserer selbst in diesem Moment nicht bewusst. Wir haben uns verloren in der Welt unseres Geistes. Es braucht eine klare Absicht, eine bewusste Anstrengung und die Bereitschaft zu Hingabe, immer wieder neu. Und dann, ganz unverhofft, fallen wir in reine Präsenz, lebendige Stille, in das ICH BIN. Davon sprechen die Mystiker in berührenden Worten:

    „Wie selig ist der Mensch, der unbewegt bleibt
    gegenüber der Vielheit der Dinge!
    Welch heimliche Versenkung erlebt der!“   
    (Heinrich Seuse)

Die Praxis der Meditation ist eine Sache, ein Leben in Meditation eine andere. Dann geht es nicht mehr um die 30-minütige Praxis, sondern wir sind aufgerufen, uns täglich, stündlich, minütlich, ja, bei jedem Atemzug zu er-innern.

Silent Love Schweige Retreat mit OM C. Parkin Impressionen

Es ist ein großes Glück, in der Nähe eines verwirklichten Lehrers zu sein, berührt zu sein von der Präsenz und der Stille, die ihn umgibt und die Lehre zu empfangen. Wie in jedem Jahr, so lädt OM uns auch in diesem Sommer ein, während des Silent Love Retreats den Durst unserer Seele zu stillen, schweigend, lauschend. In diesen zehn Tagen entsteht ein meditatives Feld, das jeder nutzen kann, mit seinem Herzenswunsch wieder in Kontakt zu kommen und in der Intimität mit sich selbst zu verweilen.

Klosterbrief Juni 2018
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