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Rückblick auf die Konferenz - Todeserfahrung auf dem inneren Weg

Nachklang zur Konferenz "Todeserfahrung auf dem Inneren Weg – spirituelle Aspekte des Todes" auf Gut Saunstorf - Ort der Stille von Christel Westermeier aus dem Organisationsteam dieser Veranstaltung:

Nach fast zweijähriger Vorbereitungszeit fand am Wochenende vom 22.-24. März diese Konferenz statt und wir erlebten eine sehr starke Resonanz. Das Thema „Tod“, an dem niemand vorbeikommt, löste großes Interesse aus. Die magische Zahl 100 TeilnehmerInnen wurde weit überschritten und es gab sogar eine Warteliste. Bei diesen Veranstaltungen spielt die Auswahl der Referenten eine entscheidende Rolle. Sie führen als Experten mit ihren Beiträgen und ihrer Präsenz die Teilnehmer an das Thema heran, lassen es lebendig und erfahrbar werden. Die fünf Referenten dieses Wochenendes, die von ihrem jeweils eigenen Hintergrund und damit Blickwinkel auf das Thema des Todes schauten, öffneten neue Räume, die dazu einluden, Standpunkte und Vorstellungen zu hinterfragen, gänzlich Neues zu hören und tiefer zu gehen.

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Den Auftakt machte der holländische Internist und Nahtodforscher Pim van Lommel (Thema: „Endloses Bewusstsein – neue medizinische Fakten zur Nahtoderfahrung“), eine Koryphäe auf diesem Gebiet. Er teilte seine langjährigen Erfahrungen und Forschungsergebnisse. Sabine Mehne berichtete danach sehr nachvollziehbar und berührend über ihre eigene Nahtoderfahrung und wie sie ihr Leben veränderte. Das Gehörte bewegte tief, warf viele Fragen auf, welche dann im anschließenden Dialog erörtert wurden. Den Abschluss des ersten Tages bildete dann eine Lesung eines Textes von Leonard Bernstein zu der anschließend folgenden Musik von Gustav Mahler. Danach ging es in Stille in die Nacht.

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Am zweiten Tag waren die TeilnehmerInnen eingeladen in die Welt des Sufismus einzutauchen, welche durch einen Vortrag zum Thema „Was bleibt von uns nach dem Tod des Leibes? - eine sufistische Sicht“ durch Peter H. Cunz, Sufi Scheich des Mevlevi-Ordens, vermittelt wurde. Zitat von Rumi aus dem Vortrag: „Am Tage des Todes werden deine Sinne ausgelöscht: Hast du das Seelenlicht, das der Gefährte deines Herzens sein sollte? Wenn dir der Staub im Grab die Augen verschließen wird, hast du etwas um das Grab zu erhellen? Wenn deine Hände und Füße zerfallen, hast du dann die Flügel und Federn, mit denen deine Seele auffliegen kann?“

Am Nachmittag wurde die Sufi-Botschaft der Herzensliebe zu Gott im praktischen Gebet, an dem alle mit Freude teilnahmen, nahe gebracht.

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Am Abend dann wurden die Teilnehmer mit der chaotisch wirbeligen Energie der Satsang-Lehrerin Lisa Cairns konfrontiert. Mit ihrem Beitrag rief sie Staunen, Verunsicherung, Lachen und auch Ablehnung hervor. Damit sorgte sie für regen und kontroversen Austausch in der Pause.

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Den Abschluss der Konferenz bildete dann der Weisheitslehrer OM C. Parkin mit seinem Vortrag „Tod, der große Meister – die geistige Dimension des Todes“. Ein profunder und klarer Beitrag über das, was der Tod wahrhaft ist, was er uns lehrt und was „Stirb bevor du stirbst“ in den inneren Lehren bedeutet.

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Einige Teilnehmerstimmen:

Sabine M.
Für mich folgte die Konferenz einem Prozess, der an der Oberfläche begann und im Verlauf der beiden Tage in die Tiefe vordrang. Trotz eines extrem gefüllten Hauses, konnte er sich in Stille entwickeln, ein Phänomen, das mich staunen ließ. Alles war perfekt organisiert und vorbereitet, liebevoll bis ins Detail. Allen daran Beteiligten ein großes Danke dafür!!
Christin K.
Auf der Todes-Konferenz ist meine Freundschaft zum Tod gestärkt worden. Das Versprechen, ihm zu dienen, ist tiefer in mich hinein gesunken. Danke für den Raum, dem Tod näher zu kommen."
Julien M.
Mit dem ersten Vortrag am Freitag von Pim van Lommel über endloses Bewusstsein wurde ich durch Erfahrungsberichte und Intuition des Wissenschaftlers daran erinnert, dass das Bewusstsein viel größer als meinen Körper und viel weiter als mein Verstand ist. Besonders berührend und mutig fand ich, seine Treue zur eigenen Wahrnehmung der Phänomene, die er durch seine Karriere als Kardiologe beobachten konnte, und seine Bereitschaft, jenseits des Wissens der Naturwissenschaft zu forschen.
Während Sabine Mehnes Vortrag über ihre Nahtoderfahrung kam Freude hoch, diese leichte und trotzdem nahe Ausdrucksform zu beobachten, wie sie über schwere Erkrankung und lebensbedrohlichen Zustand teilte. Dieses Licht, womit sie in Kontakt gekommen war und sie begleitete, strahlte in den Raum. 
Am zweiten Tag war der Scheich Peter Cunz aus der Schweiz, der mit Demut und Nüchternheit die sufistische Praxis vorstellte. Wir bekamen einen Einblick in den faszinierenden Derwisch Tanz und konnten uns dem islamischen Gebet durch eine Übung gemeinsam hingeben. Diese sanfte und verinnerlichte Einsicht in den Islam löste wie einen Ausgleich zu der Vorstellung in mir, Islam sei nur archaisch und gewalttätig.
Im Dialog mit Lisa Cairns am Sonnabend sah ich einen Sturm, der lebendig, unschuldig und frei den Raum betritt. Es folgten in mir ein schneller Wechsel an Zuständen von Irritation bis Lachen, zwischendurch Berührtheit und Weite, etwas Verwirrung und auf jeden Fall viel Lebendigkeit. In der Pause ging ich mit einem Lächeln im Gesicht, das ich bei anderen Teilnehmern auch beobachtete. Den Abend empfand ich als einen erfrischenden Moment, wo für mich eine neue Facette der Lehre des Seins sich zeigen konnte.
OMs Vortrag und Darshan am Sonntag führten mich schrittweise in die Tiefe, es geschah ein wichtiges Sehen über die Vermeidung vom Tod in mir durch ständige Sicherheitssuche und -sucht. Es wurde mir klar, wie der Tod besonders in der westlichen Gesellschaft verbannt wird, und dass dieser verblendende Geist es auch in mir ständig versucht, zum Beispiel durch Ablenkung vor dem Tod.
Nach der Konferenz ging ich mit dem Gefühl, dass der Tod ein wertvoller Begleiter auf meinem inneren Weg sein könnte, und mit dem Wunsch es weiter zu erforschen.
Artikel des Konferenzplanungsteams für den Klosterbrief Juni, 2019

 

Trotz der äußerlich gesehen erfolgreichen Konferenz, gab es im Nachklang auch einen kritischen Blick auf das Geschehen, während der Konferenz als auch im Anschluss:

In intensiven Gesprächen aller Beteiligten vor Ort, in denen tiefgreifende Themen deutlich wurden, gab es auch den Impuls, diese Themen mit den Lesern dieses Klosterbriefes zu teilen, mit anderen Worten, diese internen Prozesse transparent zu machen. Gut Saunstorf ist ein Ort, der sich auszeichnet durch ständige Wandlungsprozesse, es ist ein Lernort, ein Ort der Reifung. Mitglieder der Klostergemeinschaft sind herausgefordert, ihren Blick auf die Dinge und sich selbst immer wieder zu hinterfragen und sich zu öffnen für das, was tiefer liegt.

Es gab Irritationen seitens der geladenen Referenten als auch von TeilnehmerInnen über die Rolle von OM C. Parkin. Und es gab Erwartungen. Dazu braucht es folgende Informationen: Bisher war der Veranstalter der Konferenzen die Stiftung Gut Saunstorf gewesen. Da diese im Moment in strukturellen und inhaltlichen Veränderungen begriffen ist, lag die Veranstaltung in den Händen eines Übergangsteams, zu denen der Kreis der Organisatoren gehört. OM als spiritueller Meister und geistiges Oberhaupt des Klosters Gut Saunstorf wird genauso wie die anderen Referenten zu den Konferenzen eingeladen. Er ist also nicht der Gastgeber. Dieser Fakt war für die meisten Menschen nicht erkennbar und klar. Und genau da liegt das Versäumnis des Organisationsteams, zu dem auch ich gehöre. Die Kritiken, die sich auf OM bezogen, entstanden dadurch, dass er während der Konferenz wenig sichtbar und damit greifbar war. Daraus wurden Urteile gebildet, er sei überheblich und isoliere sich bewusst. Solche Vor-Urteile sind sehr schmerzlich. Ich als seine Schülerin weiß, wie viel Projektionsfläche ein Mensch bietet, der in der Realität lebt, ohne einen konditionierten und damit verblendeten Geist, der kompromisslos für die Wahrheit steht und aus einer natürlichen inneren Autorität heraus handelt, redet, lebt. Und der sich keinen Konventionen und entsprechenden Verhaltensweisen verpflichtet fühlt. Da sieht man schnell aus einer projizierten Sicht heraus, einen „Guru“ so wie er als Schimpfwort benutzt wird, der sich erhöht und Machtmissbrauch betreibt.

Für mich, als Schülerin auf dem Inneren Weg geht es um das Thema Verantwortung und damit um erwachsene Schülerschaft. Auch ein Schüler des inneren Weges ist nicht frei von der Neigung, aus einem kindlichen Geist heraus den Vater auf den Lehrer zu projizieren und damit die Verantwortung abzugeben. Ich und das Team haben versäumt, die Verhältnisse klar zu stellen und die notwendigen Kontakte zu veranlassen. Eigenverantwortlich zu sehen, was die Situation erfordert und entsprechend zu handeln. Eine wichtige Lernerfahrung, an welcher ich wachsen kann. Und ich sehe, wie stark die Versuchung immer da ist, aus Distanz und von oben herab, Menschen und Situationen zu be(ver)urteilen, bevor ich schaue, was dabei mein Part ist.

Gerne bin ich bereit mit interessierten Menschen, bei denen jetzt Fragen auftreten, in Dialog zu treten:

Christel Westermeier für das Organisationsteam: Email: sudhira@web.de

 

13.-15. September: Konferenz: Welche Bildung braucht der Mensch? -Wahre Bildung befreit

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Detaillierte Informationen im Veranstaltungskalender>

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