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Über das Wesen der Lüge am Beispiel Matthias Pöhm

Unter der Wendung "Fake News" werden manipulativ verbreitete, vorgetäuschte Nachrichten bezeichnet, die sich überwiegend im Internet verbreiten. Auch das moderne Kloster Saunstorf, die Gemeinschaft und OM sind davon betroffen und werden  z.B. von Matthias Pöhm massiv mit Falschmeldungen im Netz angeklagt. Was ist der Antrieb hinter solchen Lügen und was lässt sich aus Sicht der Weisheitslehre zu dem Phänomen sagen?
Dazu wurde der spirituelle Meister OM C. Parkin in diesem ersten Teil eines Interviews von Beatrice Kalal und Tino Lang befragt.

 

Über das Wesen der Lüge am Beispiel Matthias Pöhm

 

F.: Ich würde gerne mit dem Begriff “Fake News“ beginnen. "Fake News"sind ja kein neues Phänomen und wurden bereits früher strategisch eingesetzt, ob in Propaganda oder Verhetzung. Was genau sind Fake News aus Sicht der Weisheitslehre? Worum geht’s dabei? Und ist Fake News ein neues Wort für Lüge, Halbwahrheiten und Verleumdung?

OM: Es ist eine oberflächliche, rein rationale Betrachtungsweise, Lügen als eine berechnende Desinformation eines rational arbeitenden Ichs zu verstehen. Aus der Tiefenschau geistiger Welten, aus denen Gedankenformen entspringen - und äußerlich sichtbare Informationen sind ja nichts anderes als sichtbar gewordene Gedankenstrukturen aus geistigen Welten, die in sich meist begrenzt und geschlossen sind - ist es so, dass Lügen die zwangsläufige Folge von ausgeblendeten Teilen der Seifenblase sind, in der ein gewöhnlicher Mensch lebt, und die er für die Realität hält. Diese Seifenblase wird nicht nur aus Gedankenformen gebildet, sondern auch aus Emotionen und niederen, triebhaften Impulsen. Aus diesen drei Ebenen bildet sich ein innerer Cocktail, der die Blase formt, was innere, geistig-emotionale Abwehrstrukturen aktiviert, die dann wiederum einen Teil dieses Cocktails ausblenden. Diese ausgeblendeten Teile werden dann vorzugsweise nach außen übertragen und auf Objekte der Außenwelt projiziert. Nicht nur auf Menschen, das können auch Dinge sein; aber natürlich sind das im wesentlichen Menschen, denn der Mensch ist jene Form, die sich am besten für Projektionen eignet.

Wenn natürlich jetzt in der äußeren Welt, wie z.B. in der Politik, Lügen verbreitet werden, dann kann zunächst die Oberflächenbegründung herhalten; aber in einer Innenschau desjenigen, der diese Lügen verbreitet (also nicht in seiner Funktion innerhalb eines Systems), wenn wir diesen Geist also individuell betrachten und festnageln, dann finden wir diese Vorgänge aus der Tiefenstruktur wieder, die ich gerade beschrieben habe.

F.: Das heißt, die Lüge muss nicht immer eine bewusst bösartige Handlung sein; das ist eigentlich nur ein Abbild meiner Welt?

OM: Sowohl als auch. Sie sind sowohl bösartig als auch Abbild der eigenen Welt. Eine Lüge kann mehr dem Selbstschutz des Ichs dienen oder / und der Schädigung des Du, welches auch Teil des Ichs ist. Bösartig ist sie insofern immer, da sie Wahrheit verleugnet und damit sich selbst und andere Menschen täuscht.

F.: Ein Beispiel, das ich interessant finde, ist ein Mann namens Matthias Pöhm, der mehrere Internetseiten betreibt, auf denen er u.a. „falsche Gurus“ (auch OM) und ihre vermeintlichen Verfehlungen anprangert (so glaubt er zumindest). Was er über dich schreibt, ist z.T. hanebüchen, aus zweifelhaften Quellen heraus oder erfunden. Ich habe mir die Seiten von ihm angeschaut und die Frage stellte sich: Will der eigentlich wirklich schaden, also ist das ein bewusstes Lügen, oder lebt da einer einfach in seiner Scheinwelt, an der er sich auch noch abarbeiten muss? Und ich stelle mir die Frage: Wie begegne ich dem denn? Sage ich, o.k., es handelt sich hier um seine Illusionswelt, die mich nichts angeht? Oder muss ich da aktiv darauf zugehen und sagen: das ist Lüge?

OM: Nein, nicht unbedingt. Eine Sicht durch das Enneagramm der Egostrukturen macht seine Welt sichtbar, die Blase, in der er lebt. Es handelt sich da um eine starke Autoritätsneurose von jemandem, der sich an seinen eigenen Vaterbildern abarbeiten muss. In der Angstfixierung an Punkt 6 des Enneagramms geht es wesentlich um den Verlust der Essenz des Vertrauens. Der Platz des Vertrauens ist entsprechend durch Misstrauen und Feindseligkeit eingenommen worden, was auch dazu dient, die eigene Angst, die immens ist, rational abzupuffern. Im Folgenden geschehen zwangsläufig Missbrauch und Autoritätsanmaßung. Das Tragische ist: In Wirklichkeit ist derjenige gar nicht im Besitz von wahrer Autorität, denn die bekämpft er ja.

Ich erinnere mich, dass dieser Mann einmal auf einem Retreat war, das ich in der Schweiz gab und da kam es zu einem einzigen, entlarvenden Moment, in dem er aus dieser Verblendung Gesicht zeigte und Mitgefühl weckte: Er saß vor mir, ich glaube um sich ein Buch signieren zu lassen. In dem Moment fing er an zu weinen und sagte: „Ich wünschte, ich könnte vertrauen.“ Das war der einzige Moment, wo die Maske runtergerissen wurde, sein wahres Wesen sichtbar wurde und die ganze Tragödie, in der er lebt. Das ging dann offensichtlich wieder zu, und seitdem vergeudet er seine Zeit damit, sein „Wissen“ über „Erleuchtete“ (seine Väter) auszubreiten, ohne zu erkennen, dass all diese Mühen mehr über seine Seifenblase aussagen, als über sogenannte „Erleuchtete“.

Die große Freiheit des Internets ist angefüllt mit viel geistigem Müll und es ist weder möglich, noch ist es notwendig, das wirklich einzudämmen. Letztlich bleibt doch folgende Aussage: Wenn ein potentieller Schüler des inneren Weges reif genug und intelligent genug ist, dann ist er auch in der Lage, Informationen aus den unendlichen Katakomben geistiger Realitätsverluste zu unterscheiden von ernstzunehmenden und seriösen Informationen, die aus der Realität stammen. Für diesen menschlichen Zugang zur Realität kennt die innere Lehre zwei wesentliche Begriffe: das Herz und die Seele. Sind die Tore zur Seele offen, so ist auch der Zugang zur Realität offen.

Wenn ein Schüler dazu nicht reif ist, dann ist er auch nicht reif zu mir zu kommen, dann hat er hier auch nichts verloren. Wenn ein Schüler ins Internet geht und z.B. als erstes den Begriff „OM“ und „Sekte“ eingibt, und dann in solchen Informationen landet und dadurch seine kindliche Misstrauen-Welt nährt, dann ist er schlichtweg nicht reif, überhaupt eine ernstzunehmende Lehre in Empfang zu nehmen. Er sollte dann auch entsprechend einen Weg gehen, der zunächst im Grunde seine kindliche Natur fördert, reifen lässt, so dass er in einem relativ erwachsenen Zustand vielleicht später irgendwann einmal in der Lage ist, wirkliche Informationen aus der Quelle zu empfangen.

F.: Ich habe das Gefühl, dass es mir an Gelassenheit fehlt, denn in mir kocht nach wie vor das Anliegen, dieser Lüge ein Stopp zu setzen, ohne in eine Form der Rechtfertigung zu kommen, sondern irgendwie die rechte Ordnung wieder herzustellen.

OM: Ich rede nicht von einem grundsätzlichen Prinzip der Nachgiebigkeit. Manche Lügen verlangen nach kurzfristigen Reaktionen, aber viele auch eben nicht. Nur der Einzelfall kann dich intuitiv veranlassen, angemessen zu reagieren. Du musst dir auch klar werden, an welche Methoden du denkst, ob du jetzt an juristische Mittel denkst, oder an was du eigentlich denkst. Die Mittel sind begrenzt. Jeder kann im Netz seinen Müll verbreiten und schreiben was er will, das nennt sich Meinungsfreiheit.

F.: Die Grenze ist, wenn es um eine ganz direkte Verleumdung geht.

OM: Natürlich, die hat die Grenze dort, wo Persönlichkeitsrechte verletzt werden, und es gibt tatsächlich die Möglichkeit dagegen vorzugehen. Andererseits kann damit auch immer auch das Gegenteil erreicht werden. Ich finde ihn so unwesentlich, dass ich in mir einfach keinen Impuls finden kann.

F:  Pöhm schreibt Bücher mit den Titeln „Schlagfertigkeit in der Verführung - was Sie von der Verführung von Frauen über die Verführung von Kunden lernen können“, „Ich kann euch alle haben“ - das sind einige Beispiele. Er verlangt für ein fünftägiges Ausbildungsseminar 12.000€ und hat viel Zulauf. Das deutet darauf hin, dass sein Interesse sich stark auf Geld, die Macht der Verführung und auf Frauen richtet. Wegen genau dieser Themen kritisiert er spirituelle Lehrer und Meister, auch dich. Kannst du etwas zu seinen Antrieben sagen, also was steckt eigentlich dahinter?

OM: Im Spiegel des Enneagramms zeigt sich Größenwahn. Der Größenwahn beschreibt ja ganz einfach eine innere Position, in der ein sich selbst nicht kennendes Ich sich in einer Position der Größe wähnt, die gar nicht real ist. Ich sehe keine reale Größe, deshalb berührt es in mir nichts.

F: Das neuste Buch von Pöhm handelt von Erleuchtung, d.h. er sieht sich jetzt in der Lage, Erleuchtete einzuordnen und zu kritisieren, was ja sicher auch in diese Kerbe des Größenwahns schlägt. Er überführt dort scheinbar spirituelle Lehrer und Meister ihrer Schattenaspekte, als Referenz nimmt er oft zweifelhafte Quellen, Wissen, das aus zweiter oder dritter Hand stammt, oder interpretiert Texte und Bücher. Meine Frage ist, wie sich ein Leser im Internet, der durch solche Verdächtigungen verunsichert wird, die Wahrheit finden kann? Wie kann denn im Internet wahre von falscher Information getrennt werden? Geht das überhaupt?

OM: Im Internet gar nicht. Ein wahrer Lehrer kann solchen Figuren dankbar sein, denn sie ersparen ihm eine ganze Menge Ungemach. Ihnen kommt eine Art Wächterfunktion zu, sie prüfen die Unterscheidungskraft potentieller Schüler des Weges und halten infantile Geister fern. Sie verhindern, dass Menschen hier auftauchen, die weder reif genug sind noch ein ernst zu nehmendes Interesse haben, einen wirklichen inneren Weg zu gehen. Menschen, die glauben, die Wahrheit über spirituelle Lehrer im Internet finden zu können, sind so naiv, dass sie von jedem ernst zu nehmenden Lehrer besser fern bleiben sollten. Gleichzeitig sorgen diese Wächter dafür, dass die Unterscheidungskraft derjenigen Menschen, die klug genug sind, einen Weg der inneren Überprüfung in direkter Wahrnehmung zu gehen, gestärkt wird. So dienen sie, ohne das zu beabsichtigen, letztlich doch wieder dem Herzen.

Interview Ausschnitt mit OM C. Parkin vom November 2019
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