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Volontariat auf Gut Saunstorf und die Kunst des Dienens

„Dienen ist ein Liebeslied an das Leben“
(OM C. Parkin)

Auf Gut Saunstorf sprechen wir immer wieder von „Dienen“. Was bedeutet das? Dazu ein Auszug zum Wesen des Dienens aus dem Buch: „Wahres Dienen – der Weg zum Selbst“ in der Reihe „Praxis des inneren Weges“:

„Es geht darum, unser Leben in den Dienst Gottes und der Menschheit zu stellen. Wir bringen uns selbst als Gefäße dar, erinnern uns unserer Bestimmung, geläutert und entleert, im Vertrauen darauf, dass die Wasser des Lebens durch uns fließen werden, um das Leben auf diesem Planeten zu erhalten. Wir weihen uns selbst in dem Augenblick, da wir uns Gott zuwenden und sagen: Ich will.“ (Reshad Feild)

Arbeiten im Garten

Als Begleiterin der Menschen, die auf Gut Saunstorf - Ort der Stille einen freiwilligen Dienst, ein Volontariat machen, möchte ich über die Erfahrungen dieser Menschen berichten.

Ich frage die Menschen, die für unterschiedlich lange Zeit einen freiwilligen Dienst auf
Gut Saunstorf machen, was sie bewogen hat, an diesen Ort zu kommen. Sie antworten folgendes:

„Ich komme hier zur Ruhe – erlebe die Stille – tanke Kraft – kann mein Bewusstsein erweitern – lerne mich selbst besser kennen – lerne auch meine negativen Seiten besser kennen – lerne, bewusster zu leben – bin mehr mit mir, als gegen mich – lerne das Leben in all seinen Farben kennen – lerne viel Praktisches, kann überall mal reinschauen – freue mich über die Dinge fürs Leben: praktisch und innerlich.“

Ein Auszug aus dem Erfahrungsbericht einer Volontärin:

„Ich mache meine Arbeit gern. In der Küche ist es nett zu arbeiten, denn man lernt etwas über Kochkünste und Dekoration. Es macht mir Spaß. An anderen Tagen habe ich im Haus Betten bezogen und abgesaugt und einen Tag durfte ich im Garten die Wege vom Unkraut befreien.

Warum bin ich hier?

In meinem Leben ist eine Menge passiert in den letzten Monaten. Ein Schicksalsschlag hat mich überfordert. Mir war klar: so geht es nicht weiter. Ich war gestrandet, hatte Angst, mein Leben wieder allein in den Griff zu bekommen. Hatte große Sehnsucht nach einer Gemeinschaft, Liebe und Wärme. Ich brauchte und wollte Hilfe und eine Auszeit für mich allein, um meinen Platz im Leben wieder zu finden und ihn einnehmen zu können.

Auf der Suche nach so einem Ort fand ich das wunderbare Angebot des Volontariats auf Gut Saunstorf. Dort bewarb ich mich und reiste dann für eine längere Zeit an. Ich bekam also meine Auszeit und habe sie sehr genossen, auch wenn sie im Zeichen von äußerer und innere Arbeit stand (oder gerade deshalb). Aber war dies wirkliches Dienen? Ich freute mich jeden Tag riesig auf meine freie Zeit (nach 6 Stunden Arbeit), um dann nur noch abzuschalten und die Seele baumeln zu lassen. Ich genoss es, wie schon sehr lange nicht mehr, den Vögeln beim Spielen in den Bäumen zu zusehen; das satte Grün der Bäume, die weiten Felder, die Ostsee, gemeinsam an den See und das ganze bei bestem Wetter – es ist einfach wunderbar und Balsam für die Seele.

Das klingt wohl eher nach Urlaub…

Heißt dienen nicht, sich zu fragen, was kann ich für andere tun? Heißt dienen nicht, anderen zu helfen, für andere da zu sein – mit Hingabe und bedingungslos?

Es ist schwer für mich zu sagen, ob ich wirklich gedient habe – in diesem Sinne. Ich habe die Zeit genutzt mir über verschiedene Dinge meines Lebens klar zu werden – gehört dies zum Dienen?

Meine Arbeit allerdings, habe ich mit Sorgfalt, Liebe und sehr gerne gemacht. Sie sollte richtig und gut gemacht sein, denn sie sollte einen Nutzen für alle haben. Zum Beispiel sollte das Buffet nett aussehen, damit sich die Leute daran freuen und es sollte ihnen schmecken. Es war mir wichtig, dass die Tische sauber und ordentlich sind. Beim Betten beziehen und säubern der Zimmer war es mir wichtig es gut und richtig zu machen und auch mit Herz. Die Menschen sollten die Zimmer betreten und sich wohl fühlen – fühlen, dass die Zimmer mit Liebe vorbereitet worden sind und sie willkommen sind.

Der Entscheidung zum Volontariat zu gehen ging der Wunsch voraus, meinen Platz im Leben zu finden – meine Bestimmung wieder aufzunehmen – mich zu finden, um dann mein Leben weiter leben zu können. Ich denke, dass diesen Gedanken Dienen wollen voran geht. Damit entschlüsselt sich der Aufenthalt auf Gut Saunstorf doch im Sinne des Dienens. Darüber bin ich sehr froh. Letztlich ist es doch wichtig sich gutes zu tun, um dienen zu können.“

Diese eindrücklichen Erfahrungen geben die Grundstimmung dieses Ortes wieder. Es wird deutlich: es geht darum, die Dinge durch Selbstreflektion, mit Liebe und Achtsamkeit zu tun. Die Menschen, die hier in der Gemeinschaft leben und arbeiten, sind daran interessiert, sich selbst zu ergründen. Sie widmen sich der inneren Arbeit genauso wie der äußeren Arbeit.

 

Karma Yoga ist auch ein wichtiger Teil des integralen Yoga von Sri Aurobindo. Er sagt: „Der Yoga des Wirkens, das Einswerden mit Gott in unserem Willen und Wirken (nicht nur in unserem Wissen und Fühlen) ist ein unentbehrliches, unaussprechlich wichtiges Element eines Integralen Yogas.“

Dienen in der Küche

Die spirituelle Atmosphäre und die Arbeitsbedingungen dieses Ortes, ermöglichen eine Verbindung eines inneren Weges mit äußerer Arbeit. Das Interesse am Selbst ist erwünscht und jeder kann sich diesen wesentlichen Fragen widmen: Wer bin ich und was ist meine Realität? Was ist der wahre Sinn und die Aufgabe meines Lebens? Menschen, die hierherkommen, möchten etwas darüber erfahren und sich selbst besser kennenlernen. Dafür gibt es neben der Arbeit und den täglichen Meditationen Unterstützung durch erfahrene Begleiter.

Der ehrliche Umgang miteinander ist etwas, was viele Menschen schätzen, die hier zu Gast sind. In der normalen Arbeitswelt wird privates und öffentliches Leben getrennt. Hier spielen sie Hand in Hand und doch hat jeder den Raum, sich entsprechend seiner Bedürfnisse zurück zu ziehen. Es wird keine künstliche Grenze gezogen zwischen Arbeit und Freizeit. Das kann herausfordernd sein, doch es lässt ein Gefühl der echten Zugehörigkeit und Einbettung in etwas Größeres entstehen.

Aus den Erlebnissen der Menschen, die hier eine Zeit verbringen höre ich Sätze, wie diese:

„Hier darf man so sein, wie man ist! Hier finden keine oberflächlichen Gespräche statt. Es gibt eine ehrliche Offenheit für jeden.“

„Es ist ein Erfahren von spiritueller Transformation und Energetisierung, die ich hier erlebe. Meine Motivation kommt aus dem Bedürfnis, spirituell in die Tiefe zu gehen.“

„Löcher graben, Zäune streichen, Material transportieren, Auf-/Abbauarbeiten und vieles mehr….“

„Regeln und Prinzipien: Ich lerne mich anzupassen und mich nach der Gemeinschaft zu richten.“

„Ich lerne bei der Arbeit viel über die Themen Kraft und Aggression. Ich lerne viele verschiedene Dinge über die Tätigkeiten im Garten und über das Handwerk kennen.“

„Ich bilde mich im Hinblick auf die innere Arbeit weiter und lerne ebenfalls mit meinen anfangs auftauchenden Zweifeln umzugehen.“

„Ich erfahre das Leben und die Integration in eine Gemeinschaft von mir unbekannten Menschen mit verschiedenen Einstellungen und Bedürfnissen.“

„Es regelt sich alles so langsam und es gibt viel Spaß und schöne Erfahrungen und Gespräche.“

„Ich könnte hier jetzt Gott/Quelle, die Gemeinschaft, das höhere Selbst, mich Selbst, alle Zusammen oder sonst irgendjemanden nennen…..

…..Allerdings habe ich das Gefühl, dass ich da im Garten arbeite oder zur Sangha (Treffen der Gemeinschaft) gehe, dann gibt es eigentlich niemanden, für den ich das tue. Ich tue es einfach. Ich habe die Erfahrung in mein Leben gezogen und so ist es.“

Dieses und mehr wird auf Gut Saunstorf – Ort der Stille, dem modernen Kloster, erfahren, gelebt und integriert.

Wenn du dich davon angesprochen fühlst, bist du willkommen. Es wird eine Probezeit geben, in der beide Seiten prüfen können, ob ein längerer Aufenthalt sinnvoll für dich ist.

Von Herzen

Elvira (22.Oktober 2018)
Elvira Portrait

(Heilpraktikerin, Therapeutin und Seminarleiterin auf Gut Saunstorf; Begleiterin für Arbeitsgäste und Dunkelretreats)

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