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Wie kann ich meine Angst überwinden?

Angst ist die Geißel der Menschheit. Angst vor allem und jedem, Angst vor mir, Angst vor dir, Angst zu verlieren, Angst zu versagen, Angst Fehler zu machen, Angst zu sterben. Und was bedeutet das? Du kannst immer nur Angst haben vor dem, was du abgespalten hast, was du von dir weggegeben hast. All das, was du nicht mehr als dich selbst erkennst, macht dir Angst. Es widerstrebt einer jahrtausendealten Konditionierung des Überleben-Müssens, die Angst wirklich zu berühren. Denn in die Angst zu gehen, ist immer: in den Tod zu gehen. Und solange du vor der Angst davonläufst, läufst du auch vor dem Tod davon. Solange bleibt dir das Geheimnis des Lebens verborgen.

Du kannst nicht überwinden, was du gar nicht kennst. Du weißt nicht, was Angst ist. Du kennst nur deine Vorstellungen von Angst, die Angst vor der Angst. Und diese Angst vor der Angst hat dich fest im Griff. Sie hemmt dich, bremst dich, beschränkt dich, verengt dich oder sie verleitet dich zu einem Leben, das eine Aneinanderreihung von Ablenkungen ist. Das scheinen die Wirkungen von Angst zu sein. In Wirklichkeit jedoch sind es nicht Wirkungen von Angst, sondern die Wirkungen deiner Haltung zur Angst.

Angst ist ein unangenehmer Zeitgenosse - scheinbar. Ich habe eigentlich noch nie von jemandem gehört, der eine bewusste Vorliebe für Angst gehabt hätte. Aber es ist nicht die Angst, genauso wenig wie irgendeine andere Kraft in dir, die das eigentliche Problem ist. Es ist deine Beziehung zur Angst, deine Haltung zur Angst. Wenn du herausfindest, dass du Angst durch deine Haltung ihr gegenüber auf Distanz hältst, dann ist das der erste Schritt. Der zweite Schritt ist, diese Distanz aufzugeben. Erkenntnis geschieht immer dann, wenn du die Distanz, die einzig und allein im Denken verursacht wird, aufgibst. Und dann kommt dir das, was du künstlich auf Distanz gehalten hast - durch Abneigung oder Vorlieben - plötzlich sehr, sehr nahe. So nahe, dass man nicht mal mehr davon sprechen könnte, überhaupt eine Beziehung dazu zu haben. Solange du eine Beziehung zur Angst hast, kannst du sie nicht erkennen. Und wenn du nicht erkennen kannst, ist Freiheit nicht deine Erfahrung.

Die distanzierte Haltung der Angst gegenüber musst du aufgeben. Wenn die Angst dir dann sehr, sehr nahe kommt, lass dich hineinfallen in die nackte Angst. Diese nackte Angst ist befreit von dem ganzen aufgewirbelten Staub, der die Angst umwölkt: beängstigende Phantasien, Überlebenskonzepte und andere Ideen. Und diesem Kern der Angst begegnest du. Und dann ist Angst genau da, wo du bist. Und wenn du genau da bist, wo die Angst ist - dann wird dir heiß werden. Nackte Angst erhitzt das, was in dir erkaltet ist, so dass es in dieser Hitze verbrennen kann.

Fühle die Angst. Das ist der Weg. Anstatt dich zu distanzieren von ihr, sei mit der Angst selbst. Dann hast du keine Angst mehr. Dann bist du Angst. Und wenn du Angst bist, dann gibt es keine Angst mehr. Nur noch Energie. Reine Lebensenergie. 

Artikel von OM C. Parkin, 2003
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