Der neue Brunnen auf Gut Saunstorf – ein Spendenprojekt formt sich fließend

10. November 2020

Das Rondell zum Haupteingang des modernen Klosters auf Gut Saunstorf wird weiter nach Außen belebt. Nach der Aufstellung des Friedensboten und der Bepflanzung des Rondells wird aktuell ein Brunnen installiert. Das gesamte Projekt wird organisiert und mit Spenden finanziert von der Mysterienschulklasse 2017 der Inneren Schule.

Claudia Fenzl, Teilnehmerin der Klasse, hat uns im Interview von diesem besonderen Bauprojekt berichtet und beschreibt, welche Symboliken im Brunnen mit verbaut wurden und wie dieses ehrenamtliches Karma Yoga Klosterprojekt ein Projekt des Flusses war und ist.

Wie entstand die Idee einen Brunnen am Eingangsrondell zu bauen?

Die Idee entstand durch Schüler von OM C. Parkin, spiritueller Leiter von Gut Saunstorf, auf einer Visionsreise das fließende Element Wasser im Rondell abzubilden und den Vorplatz als öffentlichen Bereich des Klosters stärker zu beleben und Gäste damit willkommen zu heißen. Diese Idee wurde als Spendenprojekt an unsere Klasse heran getragen. Die Klasse hat sofort gespürt: „ja, das können wir uns vorstellen und das würden wir gern machen.“ Da war eine Kraft dahinter.

Daraus entwickelte sich dann nicht nur ein reines Spendenprojekt, sondern ihr habt euch dem Bau organisatorisch und gestalterisch komplett angenommen. Wie kam das?

Ja, das ist dann einfach so entstanden im Gehen. Es gab ein Angebot, was Gut Saunstorf schon vorlag von einem Brunnenbauer. Und das war viel zu teuer. Und dann ist in unserer Klasse ein Brunnenteam entstanden, dass sich das neu angeschaut hat. Das Team ist dann losgegangen, hat Referenzen gesammelt und ein neues Designkonzept entwickelt, welches sich im Austausch mit OM C. Parkin weiter geformt hat. Es wurde deutlich, dass es nicht einfach bei einer Spendenaktion bleibt. Es war von Anfang an ein großes Interesse da, einen wirklich schönen und umsetzbaren Brunnen zu verwirklichen.

Ihr habt beim Design viel Wert darauf gelegt, bestimmte Symboliken zu integrieren. Welche?

Der Brunnen ist von der Formgestaltung im inneren Becken sehr rund gehalten, wie eine Schale. Dies steht für das Empfangende, das weibliche Prinzip. Außen hat er auch kantige Züge – als Verkörperung des männlichen, schaffenden Prinzips. Die Säule in der Mitte ist mit drei Löwenköpfen versehen, die für OM und diesen Ort stehen. Und ein Wunsch von OM war ein fallendes Wasser zu haben, kein sprudelndes von unten nach oben. Und im Fortgehen des Projektes kam dann einfach noch die Idee das Enneagramm mit reinzunehmen. Das Symbol des Enneagramms kommt auf dem Boden des Brunnens. Hier werden an den 9 Punkten die Heiligen Ideen in Textform dargestellt. Man schaut dann sozusagen durch das Wasser hindurch in den Spiegel seiner Seele.

Um den Brunnen herum werden Tafeln nähere Informationen dazu beschreiben. Es wird außerdem einen gestalteten Weg und Bänke passend zum Brunnen mit dem gleichen Steinmaterial geben, so dass man diesen Ort auch nutzen kann, um in Stille dort zu sitzen. Schon jetzt in der Bauphase zeigt sich diese Belebung des Vorplatzes. Er zieht Menschen an, auch wenn wir dort sind und bauen oder vorrichten, kommen immer wieder Menschen, die auf dem Weg nach Hause oder auf dem Weg in die Büros sind.

Worauf habt ihr beim Bau noch besonderen Wert gelegt?

Was uns wichtig war, ist die Qualität – auch bei der Stein- und Lieferantenauswahl und das es von der Gesamterscheinung, der Farbgestaltung und Wertigkeit zum Gutshaus passt. Wir hatten einige Angebote von chinesischen Lieferanten. Es hat sich ja sehr schnell gezeigt, dass der Brunnen einfach zu einem viel günstigeren Preis herstellbar ist. Und auch bei diesen Lieferanten aus Asien waren noch große Preisspannen vorhanden. Dort haben wir dann unseren Qualitätsmitarbeiter aus unserer eigenen Firma in unser favorisiertes Werk geschickt, dass er wirklich vor Ort prüft, sind die so qualitativ, wie sie es sagen? Und das hat sich dann bestätigt, dass die viele solcher großen Steinarbeiten machen. Die ganze Fertigstellung verzögerte sich um einige Wochen, weil er wegen Corona nicht nach China reisen durfte.

Wir haben immer versucht das Bestmögliche rauszuholen von der Qualität und gleichzeitig die Kosten nicht zu sprengen. So haben wir auch bei den Löwenköpfen abgewogen. Wir hätten die auch selbst gestalten können, hätten Formen gebaut und die in Bronze gegossen. Die Löwenköpfe hätten dann aber drei- bis fünftausend Euro gekostet. Wir haben dann länger recherchiert und welche gefunden, die schön und preislich im Rahmen sind.

Die Steine des Brunnens stehen bereits, der Weg ist teils vorbereitet. Was muss noch getan werden, bevor das Wasser fließen kann?

Mitte November werden Nadine und Tim, zwei Schüler aus der Klasse, die Steine genau positionieren und den Brunnen final zusammensetzen. Ansonsten muss noch einiges an Entwicklungsarbeit getan und manches eingebaut werden. Die Beleuchtung zum Beispiel muss in den Brunnen eingesetzt werden, die Tafeln und Bänke müssen noch gefertigt gestellt und der Weg gepflastert werden. Aktuell wird auch noch das Enneagramm Symbol aus gefrästem Metall produziert.

So ein Projekt auf Gut Saunstorf ist ja nie nur ein materielles Projekt. Welche persönliche Erfahrung hast du dabei gemacht?

Es ist ein Schritt-für-Schritt, nacheinander Fertigstellen. Es gibt von unserer Seite keinen konkreten Zeitplan. Zu Beginn hatten wir eine klare Zeitschiene, die hat aber schnell gezeigt, auch weil wir das alle nebenher leisten, dass wir das nicht halten können. So sind wir dann das Projekt so angegangen, dass wir kontinuierlich daran arbeiten, ohne jeden Schritt genau und ohne Druck festzulegen. Der nächste Schritt ist den Brunnen zusammenzufügen. Welche Menschen können das tun? In welchem Zeitrahmen können die das tun? Was brauchen die noch dafür so? Es fließt einfach in seiner Zeit – genau das, was der Brunnen als Element auch abbildet. Das ist für uns ein sehr gutes Lernfeld. Das ein Projekt auch so entstehen kann und vielleicht gesünder. Es gibt keine Zeitschiene und dennoch das Projekt als Wichtigkeit innerlich zu haben und dran zu bleiben – ohne Druck. Die Erfahrung zu machen, dass man auch von allein Schritte tut. Schritt-für-Schritt weiter machen und das Ganze im Miteinander tun. Wir haben wirklich viel Unterstützung bekommen.

Und sich auch mit allem zu zeigen, was ist. Es gab auch einen Punkt, an dem wir mal standen, wo wir gemerkt haben, es ist irgendwie nicht so ganz in der Klasse als gemeinschaftliches Projekt angekommen, weil wir vielleicht auch viel zu viel aktiv allein gemacht haben. Dann haben wir uns auch allein gefühlt. Das haben wir ausgesprochen und dann hat sich ganz viel Bereitschaft gezeigt. Es macht auch Freude. Es gibt immer wieder Hürden zu nehmen und Herausforderungen und es gibt auch viele Probleme immer wieder, wo man erstmal da steht und nicht weiter weiß. Und oh Gott, wird es denn gehen? Wir haben alle ja noch keinen Brunnen gebaut. Und dann geht es einfach weiter.

Wie habt ihr als Klasse das Projekt stemmen können – zeitlich und finanziell?

Wir haben ganz praktisch am Anfang des Projektes geschaut, wer kann wie viel Geld spenden? Und da gab es einige Schüler, die gesagt haben, ich kann jetzt größere Beträge geben. Damit waren wir dann schon bei ungefähr fünfzehntausend Euro. Und dann gab es Schüler, die konnten sich vorstellen regelmäßig kleine Summen, zum Beispiel zehn Euro im Monat, zu spenden. Da kamen dann als Gesamtbudget 35.000 Euro raus. Und andere konnten kein Geld, aber ihre Zeit investieren. Es sind dann auch ganz kreative Ideen entstanden. Zum Beispiel hat Konstantin immer in den Blöcken seinen selbstgemachten Honig verkauft und die Einnahmen gespendet.

Auch ohne feste Zeitschiene – was schätzt du, wann wird das Wasser fließen?

Ich gehe von spätestens Frühjahr nächsten Jahres aus.

Gibt es noch was, was du teilen möchtest?

Ich spüre eine Wertschätzung der Kraft gegenüber, die aus unserer Klasse kommt. Es ist einfach ein Miteinander und ein Fließen und eine schöne Anbindung an den Ort von jedem von uns, wie wir zu diesem Ort stehen. Der Brunnenbau ist auch eine Anbindung an die Lehre, an OM und an die Liebe. Und hat für mich persönlich eine ganz andere Wertigkeit, als wenn ich jetzt nur Geld spende.

Im Namen von Gut Saunstorf möchten wir eurer ganzen Klasse ein ganz großes DANKESCHÖN aussprechen, für euer Engagement, eure Zeit, die vielen Recherchen, der Versuch das Beste aus dem Budget rauszuholen, die kleinen und großen Spenden und eure Liebe für diesen Ort, für das moderne Kloster und für unseren Lehrer! Wir freuen uns alle sehr auf diesen wunderschönen Brunnen und das fallende Wasser!

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2 Kommentare

  1. Ingo

    Ich freue mich sehr auf die Fertigstellung des Brunnens und finde ihn schon jetzt großartig!

    Antworten
    • Klosterteam

      Lieber Ingo!
      Das freut uns zu hören und wir freuen uns auch sehr auf die Fertigstellung!
      Liebe Grüße aus Saunstorf,
      Elisabeth

      Antworten

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