Die neue Geschäftsführung

7. September 2020

Steffen Wöhner und Gerd Kanthaus leiten als neue Geschäftsführer der Gut Saunstorf GmbH den wirtschaftlichen Betrieb des modernen Klosters. Der bisherige Geschäftsführer, Jürgen Stöhr, verstarb im Dezember 2019 sehr überraschend. Er lenkte für knapp 10 Jahre die Geschicke der Betreibergesellschaft. Die beiden Neuen berichten hier, wie sie den Weg in die Rolle der Geschäftsführung gefunden haben und wie ihre Pläne für die Zukunft des Klosters aussehen.

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Steffen, seit 2019 bist Du Geschäftsführer. Magst Du Dich kurz vorstellen und sagen, wie es zu diesem Schritt gekommen ist?

Steffen: Vor 22 Jahren bin ich OM das erste Mal begegnet und bin bald in die Mysterienschule eingetreten. Seit 2005 arbeitete ich in der Öffentlichkeitsarbeit der Allionce e.V., später in gleicher Funktion und für Veranstaltungen von Gut Saunstorf. Da ich auch als Lehrer selbständig Seminare und Einzelsitzungen gebe und Enneallionce-Lehrer bin, ist die Fülle der Aufgaben manchmal nicht leicht, aber eben mein Weg.

Bei einer Systemaufstellung vor einigen Jahren, zeigte sich die Geschäftsführerposition als ein kraftvoller, stimmiger Platz für mich. Erst in geteilten Aufgaben mit Jürgen Stöhr, ab Oktober 2019 allein. Der plötzliche Tod von Jürgen im Dezember war ein tiefer Einschnitt. Er hat Gut Saunstorf – Ort der Stille Ort mit erbaut. OM hat ihn als einen der Väter von Gut Saunstorf bezeichnet und treffend gesagt, dass Jürgen seine Liebe zum Lehrer vor allem durch seine Handlungen für diesen Ort ausgedrückt hat.

Ich bin nun froh, dass Gerd Kanthaus als Geschäftsführer im März 2020 dazugekommen ist. Wir kennen uns schon lange und in meiner Wahrnehmung ergänzen wir uns sehr gut.

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Gerd, kannst Du Dich ebenfalls kurz vorstellen und sagen, wie die Aufgaben unter Euch verteilt sind?

Gerd: 2000/2001 bin ich OM das erste Mal beim Silent Love Retreat in der Schweiz begegnet. Zur selben Zeit wurde auf dem Retreat die Vision eines eigenen Ortes für die Lehre von OM vorgestellt. 2003 bin ich dann in die Mysterienschule eingetreten, mit Jürgen Stöhr als meinem Weggefährten in der gleichen „Klasse”. Er hat mich dann auch kurze Zeit später überzeugt, in der Allionce e.V. die Finanzen als Schatzmeister zu betreuen. So war ich also hautnah an der Entwicklung und der Entstehung von Gut Saunstorf beteiligt – mit allen Hochs und Tiefs.

Später haben mich Jürgen und auch Steffen immer wieder einmal gefragt, ob ich nicht nach Saunstorf kommen möchte. Aber dies war in mir nie ein Thema – es war einfach sehr angenehm in meinem Leben in Stuttgart. Als ich aber unmittelbar nach Jürgens Tod von Steffen gefragt wurde, den Bereich der Finanzen abzudecken, war einfach ein klares JA da, was mich selbst überraschte. Es ist vorbei mit der Bequemlichkeit, gleichzeitig eine echte Freude und Herausforderung, mit Steffen in der Geschäftsführung hier zu sein, mitzuwirken und mitzugestalten.

Was ändert sich mit Euch in der Geschäftsführung gegenüber den ersten 10 Jahren von Gut Saunstorf?

Steffen: In meiner Wahrnehmung ging es in den ersten zehn Jahren vor allem um eine Konsolidierung auf einer materiellen Ebene. Es wurde Vieles gebaut und angeschafft, Strukturen und Arbeitsabläufe geschaffen und letztlich der Schritt vom Ort der Stille zum modernen Kloster gemacht, was sich auch durch die neue Kapelle symbolisch ausdrückt. Die Arbeitsabläufe sind sehr professionell geworden und jeder weiß, was er zu tun hat. Wir haben viele Erfahrungen mit den Klostergästen gesammelt und wissen, was diesem Ort gut tut.

Jetzt geht es darum, den Geist dieses Ortes weiter zu pflegen, uns weiter zu entfalten und im Herzen offen zu sein für die Menschen, die diesen einmaligen Ort besuchen.

Könnt Ihr konkrete Ziele für die nächsten Jahre benennen?

Gerd: Ein kurzfristiges Ziel ist es sicher, den Ort bekannter zu machen und mehr Klostergäste zu beherbergen. Denn wir haben die personelle und logistische Ausstattung für mindestens 30% mehr Auslastung. Damit würde auch die finanzielle Situation wesentlich verbessert, denn im Moment können wir ohne Spenden nicht auskommen. Ein erster Schritt ist eine neue Webseite, die mehr auf die Klostergäste zugeschnitten ist, und auch eine stärkere Einbindung der sozialen Medien.

Steffen: Ein weiteres Ziel ist es, dass Gut Saunstorf immer mehr zu einem Ort wird, der Meister und Lehrer verschiedener Traditionen und ihre Schüler oder Gemeinschaften einlädt und dadurch belebt wird. Durch die OM-Stiftung Innere Wissenschaft kommt dieser Aspekt zum Tragen, genau wie eine Internationalisierung und damit eine Öffnung hin zu anderen Ländern. Durch diese Weitung und Vernetzung werden sich auch das Kloster und seine Gäste wandeln. Für das Gutshaus und die Mitarbeiter wird es ein Jahr der sogenannten Effizienzinitiative, in der wir alle Bereiche genau und tief analysieren und verbessern wollen. Wir möchten auch ein finanzielles Polster für Reparaturen und Renovierungen schaffen.


Gerd: Es gibt sehr große Projekte wie das Gesundheitshaus, ursprünglich Café-Haus genannt. Das wird ein Ort der Heilung und Begegnung sein, der das moderne Kloster erweitert und den Menschen weitere Möglichkeiten schenkt, vor Ort zu sein und von seiner Heilkraft zu profitieren. Daneben gibt es kleinere Projekte wie die Gutspark-Teiche und den wunderschönen Springbrunnen vor dem Gutshaus. Es ist ein fließendes, natürliches Wachsen, was neben dem bewahrenden Prinzip wirkt. Wir sind immer wieder neu dabei zu erspüren, was dem Kloster dient und wohin die Reise geht.

Ihr wurdet als frischgebackene Geschäftsführer gleich mit einer großen Herausforderung konfrontiert: die vorübergehende Schließung aufgrund der Corona-Krise. Das ist für viele Hotel- und Seminarbetriebe ja eine sehr schwierige Situation. Wie meistert Ihr sie?

Gerd: Das Gefühl war, dass einem starken Kraft- und Wandlungsfluss, der sich nach dem Tod von Jürgen zeigte, ein plötzlicher Stopp gesetzt wurde. Wir nutzen zwar die Zeit für Renovierungsarbeiten und für den Park, aber es ist alles sehr eingeschränkt. Jeder musste das mittragen, die Kurzarbeit traf manchen heftig. Trotzdem konnten wir mit Förderung, Spenden und Sparmaßnahmen die finanzielle Situation in den Griff bekommen. Im Moment dieses Interviews wissen wir aber nicht, wann wir wieder öffnen können und wie wir diese Zeit finanziell tragen können. Wir sind aber guter Dinge. Schon in der Bauphase von Gut Saunstorf gab es schwere Rückschläge und es schien so, als würde es nicht weiter gehen. Und doch zeigte sich immer wieder ein neuer Weg. Das nährt unser Vertrauen.

Was unterscheidet die Geschäftsführung in einem Kloster von der in einem „normalen” Wirtschaftsbetrieb?

Steffen: In den meisten Wirtschaftsbetrieben sind die höchste Priorität und Ausrichtung, finanziell erfolgreich zu wirtschaften. Alles andere ist dem finanziellen Erfolg untergeordnet. In einem Kloster leben die Mönche oder Nonnen in Gebet, Stille, Kontemplation und Abgeschiedenheit von der Welt. Körperliche Arbeit, geistliches Studium und Gastfreundschaft kennzeichnen das Klosterleben. Diese Traditionen führen wir im modernen Kloster fort. Allerdings befreit von konfessionellen oder veralteten Strukturen. Es ist ein innerer Weg, der dem Da-sein in diesem Moment dient, alles einbezieht und auf das Göttliche ausgerichtet ist.

Der finanzielle Aspekt ist dabei untergeordnet, wenngleich sinnvolles Wirtschaften notwendig ist; wir sind eine GmbH, müssen professionell arbeiten und im Kern ein gesundes Unternehmen führen. Die meisten Menschen, die hier arbeiten, tun dies nicht ausschließlich, um Geld zu verdienen, sondern weil sie einen inneren Weg gehen, lernen und wachsen und dem modernen Kloster dienen wollen. Und es gibt viel Unterstützung: Durch SchülerInnen, KarmaYogis, durch die ehrenamtliche Mitarbeit und durch Spenden und Zuflüsse, die ein normales Unternehmen nicht hat. Für mich ist das Kloster ein Ort der gelebten Lehre, in dem auch Arbeit und Geldverdienen, integriert sind. Gelebter Gottes-dienst.

Aus dem Klosterkurier – Jubiläumsausgabe 2020 S. 10

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