Meditation im modernen Kloster – Erfahrungen mit stiller Meditation

20. Juni 2021

Beitrag von Christel Westermeier

Seit Jahrtausenden pflegen Menschen in allen Religionen und spirituellen Traditionen an Orten des Rückzugs und der Einkehr die Praxis der inneren Versenkung. Die Suche nach Gott verlangt nach Verinnerlichung, dem Loslassen der Welt und einer klaren Ausrichtung.

Ein Übungsweg…

Die Gnade der Meditation als Erfahrung tiefer Stille, allumfassender Verbundenheit und inneren Friedens ist das Ziel aller Sucher auf dem inneren Weg. Wir können es nicht machen, es liegt nicht in unserer Macht aber wir können den Boden bereiten. Das bedeutet wir gehen einen Übungsweg, wir üben uns im stillen Sitzen und Lauschen nach innen.

Die Praxis der Meditation beginnt erst einmal mit Konzentration. Um uns nicht völlig im unruhigen, springenden Geist zu verlieren lernen wir, unsere Wahrnehmung zu fokussieren, z.B. auf den Atem, denn der ist immer da, immer Jetzt, steht uns immer zur Verfügung und trägt uns durch alles hindurch. Es gibt nichts zu tun und nichts zu erreichen. Der innere Zeuge, das Gewahrsein, bezeugt alle kommenden und gehenden inneren und äußeren Phänomene, sei es der Rasenmäher oder ein Gedanke. All das kann gesehen werden, ohne einzusteigen oder sich zu verwickeln und darin finden wir letztlich Freiheit. Es bleibt die Frage: Was ist es, was nie kommt und nie geht?

Meditation auf Gut Saunstorf

Auch hier im modernen Kloster hat die Meditation einen festen Platz im Tagesablauf. 2x täglich sind alle Bewohner und Besucher eingeladen 30 Min. in Stille zu sitzen, sich zu er-innern. Hier finden Sie einen Überblick über unser tägliches Meditationsangebot…

Die folgenden Stimmen von Meditierenden aus der Klostergemeinschaft zeigen, daß dieser Übungsweg uns einiges abverlangt; es braucht eine klare Absicht, eine bewusste Anstrengung und die Bereitschaft zur Hingabe:

Entspannen, ich muss nichts tun, der Atem fließt. Der endlose Strom von Gedanken fließt ebenfalls. Die Aufmerksamkeit ist beim Atem, die Gedanken können mitfließen. Wachsamkeit, Sein in Präsenz. Dann, wer weiß wie es geschehen ist, Selbstvergessenheit. Ist doch zu verführerisch einzutauchen in den Gedankenstrom, sich festzuhaken, weiterzuspinnen. Zurückkommen in das entspannte Sein: einatmen, ausatmen, Berührung des Herzens, die Zimbel erklingt. Was – schon zu Ende? Das Ende der Meditation? Nun beginnt sie aber erst: wachsam bleiben im Strom der Gedanken, die Alle – Tage – Alltagsmeditation beginnt, Wechsel zwischen Wachsamkeit und Selbstvergessenheit. Spätestens beim nächsten Zimbeln bin ich wieder wach.

Ulrike

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Diese morgendliche halbe Stunde ist immer wieder anders, und die Phasen wandeln sich während der Zeit des Sitzens. Manchmal ist es einfach still. Manchmal genieße ich – die Stille des großen Saals und der Gemeinschaft; dann wieder bin ich mir sehr des Körpers und des Atems gewahr. Manchmal sind da viele Gedanken, welche angestrengt und wirr aber auch konstruktiv sein können. Meist sind die Gedanken schlicht Ablenkungen von dem ganz simplen: Jetzt- Hier- ‚auf dem Kissen‘- Atmen.

Verena

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Manchmal bin ich Zeuge von Turbulenzen, wie ich z.B. versuche, Probleme durch Gedankentätigkeit zu lösen. Manchmal sinke ich tiefer, kann den Schmerz und die Angst wahrnehmen, die den „Problemen“ zugrunde liegen. Und manchmal – in Momenten der Gnade – ist nur noch Stille und Frieden. Alles ist gut.

Birgit

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Für mich ist dieses Stille Sitzen in der Gemeinschaft ein Ritual, das ich immer mehr zu schätzen lernte. Es wird tiefer im Lauf der Jahre, stiller, das Sitzen in Gemeinschaft. Die Kraft der Weggefährten zieht mich nach innen und unterstützt mich im Loslassen.

Es ist jeden Tag neu. Manchmal sitze ich mit einem aufgewühlten Geist, dem ich folge und mich als Opfer fühle, aus der Not akzeptierend, dass es so ist, dann bin ich plötzlich da. Stille ist. Wie konnte ich das nur vergessen!? Das konstante Dranbleiben hilft mir sehr.

Sybille

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Meditation ist für mich immer wieder eine Überraschung, manchmal ist es sehr still und innig und oft befinde ich mich auch in einer Flut von Gedanken. Es tut mir gut dran zu bleiben, regelmäßig mich auf das Kissen zu setzen und gelassen beide Erfahrungen zu sehen als das was sie sind: vergänglich. Meditation ist für mich ein Üben im Frieden zu sein mit dem was ist, und offen zu sein für das was ist – jenseits von Phänomenen.

Judith

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Video zur stillen Meditation

In diesem Video teilt Christel Westermeier, Therapeutin & Meditationsleiterin auf Gut Saunstorf, mit Ihnen die Praxis der stillen Meditation, die jederzeit und überall möglich ist:

Als Klostergast sind Sie jederzeit herzlich eingeladen an unseren täglichen Meditationen teilzunehmen!

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